Der Begriff Zero Trust ist zu einem Schlagwort geworden, das von selbsternannten Cybersicherheitsexperten oft als einfache Erweiterung bestehender Systeme verkauft wird. In der Praxis wird es jedoch häufig falsch verstanden oder umgesetzt. Viele Unternehmen haben die Idee übernommen, behandeln aber weiterhin alles innerhalb ihres Netzwerks als vertrauenswürdig. Sobald ein Nutzer „drin“ ist, wird ihm vertraut. Dieses veraltete „Burg-und-Graben“-Denken – ein starker Perimeter, aber schwache Kontrollen im Inneren – führt dazu, dass ein einzelner Zugriff schnell zu vollständigem Zugriff wird, wie der jüngste Cloud-Vorfall der Europäischen Kommission gezeigt hat.
Im Kern bedeutet Zero Trust genau das, was der Name sagt: Es wird nichts und niemandem vertraut. Dieser Ansatz geht davon aus, dass nichts sicher ist – nicht einmal interne Nutzer oder Systeme. Jede Anfrage wird jedes Mal überprüft.
Wie schaffen Sie eine echte Zero-Trust-Umgebung?
Wir haben die Umsetzungsschritte vereinfacht dargestellt. Sie geben Ihnen eine klare Richtung, um zu starten:
1. Identifizieren Sie kritische Systeme und Daten
Fragen Sie sich: Welche Systeme und Daten würden Ihren Betrieb erheblich beeinträchtigen, wenn sie kompromittiert würden?
Analysieren Sie, wie Zugriffe auf diese Systeme erfolgen. So erkennen Sie, wo Kontrollen notwendig sind und wo zu großzügige Berechtigungen angepasst werden müssen.
2. Kontinuierliche Verifizierung bei jeder Anfrage erzwingen
Ihr System sollte den Sitzungsstatus kontinuierlich überwachen und Verbindungen sofort beenden, wenn ein Gerät nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entspricht oder sich Identitätssignale während der Sitzung ändern. Eine einmal erfolgreiche Authentifizierung darf niemals als dauerhafte Freigabe gelten.
3. Minimalprinzip und zeitlich begrenzten Zugriff durchsetzen
Behalten Nutzer oder Dienste länger Zugriff als notwendig, sind Berechtigungen zu weit gefasst.
Setzen Sie auf ein feingranulares Modell auf Ressourcenebene, um Risiken zu minimieren. So bleibt ein Angreifer bei kompromittierten Zugangsdaten auf einen kleinen Bereich beschränkt.
4. Seitliche Bewegungen durch Segmentierung begrenzen
Gehen Sie standardmäßig davon aus, dass Ihr Netzwerk bereits kompromittiert ist. Segmentieren Sie Ihre Umgebung konsequent, sodass der Zugriff auf ein System nicht automatisch Zugriff auf andere ermöglicht. Definieren Sie klare Interaktionsgrenzen pro Anwendung oder Workload.
5. Anomalien erkennen und sofort reagieren
Erkennen Sie Anzeichen für Sicherheitsvorfälle, wie z. B. ungewöhnliche Login-Standorte („Impossible Travel“) oder ungewöhnliche Datenabflüsse?
Sobald der Risikowert eines Nutzers einen kritischen Schwellenwert überschreitet, sollte dieser sofort isoliert werden.
Wenn Sie Ihre Sicherheitsarchitektur überprüfen, sprechen Sie mit Cyberanalytics. Unsere Cybersicherheitsexperten unterstützen Sie dabei, eine effektive Zero-Trust-Strategie zu definieren und umzusetzen.


